Nov 13 2011
Parole jetzt! II
entschleunigung gibt dem antrieb auftrieb.
Mai 01 2011
In dieser kleinen Serie möchte ich mich dem Verfall der deutschen Sprache im Allgemeinen und der Mundart im Speziellen widmen. Dieses Mal:
Der Anglo-Wahn
Liest man den Klappentext des “Lustigen Taschenbuchs” Nr. 406, so verspricht dieses “spannende Storys”. Man stuzt, man denkt nach und kommt schließlich zu dem Ergebnis, das “Storys” falsch aussieht. Benutzt man daraufhin ein einschlägiges Englischwörterbuch, so kommt man zu dem Ergebnis, dass die korrekte Schreibweise wohl “Stories” gewesen wäre. So haben wir das auch irgendwann einmal in der Schule gelernt.
Warum benutzen die Autoren nicht das schöne deutsche Wort “Geschichten”? Und wenn sie schon einen Anglizismus verwenden, warum benutzen sie ihn nicht korrekt? Der Begriff “Story” ist in meinem Sprachgebrauch (und dem meines Umfelds) negativ besetzt. Ich verbinde damit den reißerischen Aufmacher einer Tageszeitung oder den abwertenden Satz “Jetzt erzähl doch keine Stories” als Ausdruck der Ungläubigkeit bei offensichtlicher Lüge oder Übertreibung. Mit dem Wort “Geschichte” verbinde ich eher Literatur oder die Erzählung von Freunden. Trotzdem könnte man auf dem Klappentext durchaus auch von “Lustigen Geschichten” sprechen und jeder würde verstehen was gemeint ist. Leider wirkt der Text dann sehr schnell etwas altbacken und genau hier liegt das Problem.
Es scheint so, als ob das Deutsche zunehmend einen tantigen Beigeschmack hat und das Englische zu der modern-fortschrittlichen Sprache avanciert. Im national-stolzen Frankreich gibt es ein Institut, das nur damit beschäftigt ist neue französische Wörter für Anglizismen zu erfinden. Ganz so krass muss man es nicht unbedingt angehen und dass der Schuss nach hinten losgehen kann sieht man an dem wunderbaren Wort “Klapprechner”. Wenn etwas als “Laptop” oder “Netbook” erfunden wurde, kann man es auch so nennen. Schließlich übersetzen die anglophonen Länder auch nicht Wörter wie “Blitzkrieg” oder “Kindergarten”.
Aber uns allen würde ein bisschen mehr Achtung gegenüber der deutschen Sprache gut tun. Was für ausufernde Ausmaße der Anglo-Wahn mittlerweile angenommen hat, sieht man am besten in der Wirtschaft. Der traditionelle Vertriebsleiter wird zum “Head of Sales Departement” und das Personalressort zu “Human Ressources”. Womit ich eher Rohstoffbörsen und dreckverschmierte Minenarbeiter verbinde als den Personalchef. Und obwohl die Tippse Müller plötzlich “Specialist of Office Management” heißt, wird sie sie dem englischen Geschäftspartner ihres Chefs trotzdem am Telefon antworten: “A moment plies, ai konnekt. sänk ju.”. Man freut sich tierisch, weil der eigene kleine, langweilige Beruf plötzlich super spannend und wichtig klingt (schließlich ist man ja jetzt ein “Manager”), solange bis man feststellt, dass man deshalb trotzdem keinen Cent mehr verdient.
Absurd wird es in den Bereichen, in denen man versucht, scheinbar unattraktive Berufe aufzuwerten. Die Putzfrau wird zur “Raumpflegerin” oder noch besser zur “Fachkraft für Raumpflege” und der gute alte Hausmeister wird zum “Facility Manager”. Versuche, sich einen Facility Manager im grauen Kittelschurz vorzustellen, scheitern. Und obwohl er jetzt so einen gewichtigen Namen hat, kann sich der “Facility Manager” mit den “Residents” seiner “Unit” trotzdem nur auf breitem Münchnerisch verständigen. Die würden es auch gar nicht anders wollen.
Man könnte den Kindern in allen Schulen eine fundierte Ausbildung in beiden Sprachen ermöglichen, so dass sie später eine ordentlich formulierte Email an den Chef schreiben können und gleichzeitig dem englischen Arbeitskollegen die aktuelle Änderung im Steuerrecht erklären können. Stattdessen lässt man beides verwässern. Mit dem Ergebnis, dass viele Mitbürger schon heute beides nicht mehr richtig können. Nicht mehr lange und die ersten Gymnasien bieten “Deutsch als Fremdsprache” auch für Muttersprachler an…
Apr 05 2011
neulich saß ich im stadtbus in pasing, auf dem weg zur uni. es steigt ein junger mann ein, der offensichtlich dem hip-hop-milieu zu zuordnen ist. er telefoniert. das nun folgende gespräch ist in ermangelung jeglichen wissens um den gesprächpartner nur sehr einseitig wieder gegeben:
“ja und sonst?” (setzt sich neben mich)
“ach, ihr fahrt weg? holland, is geil.”
” ja, kannst mir ruhig auch was mitbringen” (schaut sich verlegen um)
“habt ihr schon reserviert?!”
“ja, da musst du schon ein ticket vorher kaufen…!”
“nee, bayern-ticket geht nich bis holland.”
“ja, weil das nur in bayern geht”
“nee, auch bis frankfurt geht bayern-ticket nicht. musst du deutschland-ticket nehmen…”
“ja, weil das bayern-ticket halt nich geht. gilt nur in bayern!”
“scheiße mann, b-a-y-e-r-n-ticket! geht nich!”
(1 haltestelle weiter, der gesprächspartner hat anscheinend nun doch das bayern-ticket gekauft)
“he, du checkst des nich alter, egal. [...] lass dich bloß nich hochnehmen, ja?! servus”
Nov 23 2010
letztens fahre ich mit der s-bahn von der uni nach hause. es ist noch nicht ganz hauptverkehrszeit, aber es ist doch einiges los. ich steige wie immer ganz hinten ein, dann spare ich mir in eichenau ein paar meter gehen. ganz hinten befindet sich eins dieser fahrradabteile, das auch für kinderwägen, rollstühle und so weiter gedacht ist. obwohl die bahn gar nicht so voll aussah, komme ich an der tür meiner wahl gerade noch so rein, fühle mich allerdings wie eine ölsardine (nur nicht so ölig). bis zur nächsten haltestelle habe ich mich zur tür auf der anderen seite durchgekämpft (zurückgelegter weg: ca. 1,50 m), da ich auf dieser seite raus muss. nun wird mir klar, warum es an dieser stelle so eng ist. der zug an sich ist bereits wieder so leer, dass ich von meinem standpunkt aus einige dutzend freie sitzplätze sehen kann. nicht nur ich, nein, auch die anderen fahrgäste beäugen sehnsüchtig diese plätze. allerdings hat sich ein gothikpärchen samt freundin und zwei kinderwägen im fahrradabteil niedergelasse und mit beiden wägen den gang so blockiert, dass niemand durchkommt. ein älterer herr wagt es, die freundin (eher punk als goth) anzusprechen. ob sie ihn denn bitte durchlassen könne, er wolle sich gerne hinsetzen. die antwort: “nö, pech gehabt, geh halt außen rum.” (sie wollte wohl damit sagen, er solle am nächsten halt aussteigen, eine tür nach vorne laufen und dort wieder einsteigen…). es nähert sich ein junger mann, der sich mit einem bekannten am ende des zuges verabredet hat. als die junge frau nach zwei minuten des auffordernden wartens immer noch keine anstalten macht, ihr füße einzuziehen, um so den durchgang zu öffnen, steigt der mann einfach drüber, wobei er sich durch den ca. dreißig zentimeter großen spalt zwischen kinderwagen und haltestange quetscht. die junge frau fängt das pöbeln an. der ältere herr von vorhin nutzt die gelegenheit, um sich nun in entgegengesetzter richtung auf einen freien platz zuzubewegen. die junge dame stellt ihm ein bein. das gothicpärchen tut so, als wenn sie nichts gesehen hätten. leider musste ich nun aussteigen, ich weiß also nicht, wie die geschichte ausgegangen ist. allerdings: liebe punks, liebe freunde des gothic: ihr braucht euch nicht wundern, dass ihr so einen schlechten ruf habt, bedankt euch bei leuten wie dieser frau. es gibt nun eine halbe s-bahn menschen, deren vorurteile euch gegenüber mal wieder bestätigt wurden…
Okt 20 2010
ich sitze in der sbahn und versuche krampfhaft, meinen doppelten Burger so zu essen, dass nicht alles hinten rausfällt, wenn ich vorne hinein beiße. nach wenigen minuten wird meine aufmerksamkeit von einem männlichen teenager auf sich gezogen. er ist sicht- und hörbar außereuropäischer herkunft und telefoniert gerade mit einem freund, den er abwechselnd “bruder”, “alter” oder “mann” nennt. zudem spricht er sehr laut, so dass man jedes wort sehr gut versteht. er berichtet seinem bekannten am anderen ende der leitung, dass er gerade aus dem gericht komme. er hätte doch heute verhandlung gehabt. ja, der “felix” sei auch da gewesen. aber der “arsch” hätte “bullshit gelabert”. der hätte von 180 euro gesprochen. derweil waren es doch nur knapp 20. er hätte ja nur 15 pillen dabei gehabt. “felix” hätte viel mehr in der tasche gehabt. seine freunde hätten ihm erzählt, dass er nur ca. 10 sozialstunden bekommen würde. jetzt sähe es ganz düster aus. nach einem kurzen abschiedszeremoniell fahren wir in aubing ein. im aussteigen erzählt er seinem begleiter sehr laut, dass er das “scheiße” fände, dass der “felix” jetzt gegen ihn aussagt und dazu noch so einen “bullshit”, der gar nicht stimmt. und dass er ihm dafür platt macht… ich führe gerade einen kampf mit der burgertüte, die partout nicht in den s-bahn-mülleimer passen will, als eine frau sagt: “früher hätten’s mit so einem was ganz anderes g’macht…”.