Archiv für September 2010

Sep 29 2010

Die Ulme und der Kaffee: Die Bohnen (Teil 1)

Veröffentlicht von unter Die Ulme und der Kaffee.

Nachdem ich jetzt seit fast 10 Jahren Kaffee verkaufe und  ihn natürlich auch leidenschaftlich gerne trinke, wird es langsam Zeit das Gelernte und die Erfahrung an den Leser zu bringen, ohne mit allen kleinen botanischen Details rum zunerven. Auch verschiedene Zubereitungsarten möchte ich ansprechen und ein paar gute und trinkenswerte Kaffees aus verschiedenen Ländern sollen am Ende auch nicht fehlen.

Gedacht ist diese Reihe für Leute, die einfach mal so grob wissen möchten, was sie da eigentlich den ganzen Tag in sich rein schütten und wo denn nun bitte der unterschied zwischen schwarzer Tunke und gutem Kaffee liegt.

Die Bohnen

Komplett ohne Botanik macht es aber dann doch keinen Spaß. Man sollte wenigstens wissen, dass Kaffeebohnen keine Bohnen sind, sondern die Samen von kirschähnlichen Steinfrüchten (Kaffeekirschen). Diese Wachsen an Sträuchern. In der Regel befinden sich in jeder Kirsche 2 grüne Kaffeebohnen.

Insgesamt gibt es vier nennenswerte  Bohnensorten,  die auch auf dem Weltmarkt und im Laden eine Rolle spielen.

Die Wichtigste ist sicherlich die Arabicabohne. sie macht ca. 60% des Welthandels aus. Sie wächst in der Regel in höheren Lagen ab 1500 Metern.

Die zweitwichtigste ist die Robustabohne. Ihr Koffeingehalt ist höher als bei der Arabicabohne und sie ist, wie der Name vermuten läßt, widerstandsfähiger.  Sie wird häufig bei Espresso mit Arabicabohnen vermischt, weil sie für die Crema sehr förderlich ist.

Der dritte Bohnentyp ist die Maragogype, auch “Elefantenbohne” genannt. Sie ist größer als die anderen Bohnen und wird vor allem in Mexico und Nicaragua angebaut und in der Regel nicht mit anderen Bohnensorten vermischt.

Der letzte Bohnentyp ist eher eine Mutation, denn eine eigene Bohne: die Perlbohne. Sie entsteht dadurch, dass an Kaffeesträuchern die Astspitzen oft nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden können und dadurch sich nur eine runde Bohne in dne Kaffeekirschen herausbildet. Für eine zweite reicht es dann nicht mehr, die verkümmert. Im Prinzip sind diese Bohnen nichts besonderes: sie entstehen nebenbei und sie sind auch nicht unbedingt besser als die eigentliche Kaffeesorte, deren “Mutant” sie sind. Allerdings ist es genauso oberflächlich zu sagen, dass Perlbohnen grundsätzlich minderwertig sind.

Grundsätzlich gilt: Die Art der Bohne ist allein KEIN Qualitätsmerkmal.  Ein 100% Arabicakaffee ist nicht zwangsläufig gut. Auch Arabicabohnen haben unterschiedliche Qualitäten, auch wenn fast alle Spitzenkaffees aus Arabicakaffees sind. In einem späteren Artikel werde ich mich jedoch ausführlich mit dem Thema Qualität auseinandersetzen.

Mehr muss man über Kaffeebohnen eigentlich nicht wissen. Im nächsten Artikel wird es hier um die Frage gehen, wie aus der Kaffeekirsche richtiger Kaffee wird.

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Sep 26 2010

Beobachtungen von der Wies’n

Veröffentlicht von unter Fragmente eines Lebens.

Ein ca. 16 jähriges Mädchen sitzt mit dem nackten Po im Regen auf dem Boden, ein paar Meter weiter steht ein weinender Mann, zehn Schritte und ich komme an einem Typen vorbei, der nur noch “So eine Scheiße” schreit während er festgenommen wird. Es regnet immer noch, der Fleck auf der Lederhose des dicken Jungen der an mir vorbei kommt sieht mir aber nicht nach Wasser aus. Die ganze schöne Tracht eingeschifft. Den Hosenlatz hat er aber immer noch offen.
Blick auf die Uhr: 19:45!

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Sep 23 2010

warum uns das nett sein so schwer fällt

Veröffentlicht von unter Gedankenstrom,Weltverbesserer.

“Die Menschen müssen sich so verhalten, dass sie sich nicht zu rechtfertigen brauchen, denn eine Rechtfertigung setzt immer einen Fehler oder die Vermutung eines Fehlers voraus.” – Niccolò Machiavelli, Briefe an die Zehn, 11. April 1505


wer kennt folgende situation nicht: es ist früh am morgen, man möchte in die arbeit/uni/schule o.ä. fahren. die s-bahn kommt, man steigt ein und -hurra!- man bekommt den letzten sitzplatz. nun aber bemerkt man eine betagte dame in der nähe, die leider nicht so schnell war und sich jetzt mit ihren dürren fingerchen stehend an der stange festhält.

zwangsläufig stellt sich bei mir nun die große frage: aufstehen oder nicht? natürlich, würde ich korrekt das in die tat umsetzen, was mir meine eltern und die pfadfinder in über zwei jahrzenten eingetrichtert haben, würde ich jetzt aufstehen, mit einem lächeln der dame den platz anbieten und mich selbst mit dem stehplatz begnügen. schließlich sitze ich ja sowieso den restlichen tag irgendwo herum. meistens wird dieser gedankengang von ebenjener dame unterbrochen, die -grundsätzlich mir- einen schwerbehindertenausweis unter die nase hält und ihr recht einfach einfordert.

fehler 1: ich habe zu lange gewartet. jetzt kann ich es nicht mal mehr aus freien stücken tun und den anderen mitfahrern dadurch ob meiner hilfsbereitschaft ein schlechtes gewissen bereiten.

fehler 2: ich rege mich innerlich meistens furchtbar drüber auf. ich habe den weg zur s-bahn-haltestelle nur mit knapper not und unter aufbringung aller selbstdisziplin hinter mich gebracht, weil: es ist früh am morgen. die bahn ist übervoll. es stinkt schon wieder nach aufdringlichem parfum und weichspüler, nach menschenschweiß und dingen von denen ich um die uhrzeit nichts wissen will. schüler schreien sich die ergebnisse der mathehausaufgabe ins gesicht, damit auch wirklich jeder weiß wie cool sie sind. da ich am vorigen abend natürlich nicht um zehn ins bett gekommen bin, haben auch die drei tassen schwarzer kaffee in der früh nichts geholfen. und dann kommt eine rentnerin ausgerechnet zur hauptverkehrszeit in die s-bahn geschlappt und vertreibt mich von meinem sitz, obwohl sie doch eigentlich den ganzen tag zeit hätte. warum fährt sie nicht mit einer späteren bahn?

aber: jeder hat das recht, wann er will mit der s-bahn zu fahren. sogar schafherden dürfen laut mvv-bestimmungen den ÖPNV benutzen, solange sie beim ein- und aussteigen keine verzögerung verursachen…

der springende punkt ist also der: ich habe für mich gute gründe nicht aufzustehen. die dame hat für sich bessere gründe, ihren platz einzufordern. was naturgemäß zu einem konflikt führen muss.

vielleicht sollten sich die damen und herren mal überlegen, ob es wirklich notwendig ist, zu arbeitnehmer-stoßzeiten die s-bahn zu benutzen und den genervten pendler mit penetrantem und vorwurfsvollem mit-dem-behinderten-ausweis-vor-der-nase-rumwedeln die stimmung endgültig zu verderben.

vielleicht sollten wir “anderen” aber auch einmal über folgendes nachdenken: würde ich es anders machen in ihrer situation? wahrscheinlich nicht. sehr viel wahrscheinlicher ist, dass jeder einzelne seinen ganz persönlichen grund für sein verhalten hat. und es ist wahrlich nicht ans uns darüber zu urteilen. und würde es mir wirklich (und damit meine ich ganz ehrlicherweise) schaden, zwanzig minuten in der bahn zu stehen? wem würde es mehr schaden? der dame oder mir? warum zögern wir meistens, jemandem die türe aufzuhalten oder etwas , das heruntergefallen ist, aufzuheben?

die antwort ist so leicht wie unangenehm: weil wir alle ununterbrochen das gefühl haben, zu kurz zu kommen. sätze wie “für mich würde das auch keiner machen”, “immer ich, die anderen können ruhig auch mal…”, “wenn ich das jetzt mache verpasse ich dieses oder jenes” gehen jedem in so einer situation durch den kopf. der moderne mensch, der (rein theoretisch) alles besitzt was er braucht und noch viel mehr ist -trotz allem- dauernd davon überzeugt gerade übervorteilt zu werden. er ist der meinung, dass eine sekunde nur dann sinnvoll genutzt ist, wenn man das maximum für sich herausgeholt hat. erschreckend ist, dass wir die not anderer mittlerweile als störung betrachten. als unterbrechung des persönlichen, positiven “flows” in dem wir uns als potentieller winner-typ gerade befinden. weil sie uns an unsere eigenen schwächen erinnert. und in einer zeit in der alle so sein wollen wie die frauen und männer aus der werbung oder der lieblingsserie -schön, erfolgreich und alle möglichst dem “ideal” entsprechend- passen vermeintliche schwächen nicht zum image.

möglicherweise aber würde ein bisschen mehr selbst-zwang zur hilfsbereitschaft unserem image viel besser tun? und wenn man nur oft genug seinen “inneren schweinehund” überwindet, dann wird soziales verhalten zum automatismus. man muss gar nicht mehr darüber nachdenken, wie man sich jetzt verhalten soll oder möchte. und spätestens dann macht es einem auch gar nichts mehr aus.

Dr. Dr. Rainer Ehrlinger meint dazu:

»Der ICE am Freitagnachmittag ist meist total überfüllt, sodass man reservieren sollte, wenn man einen Sitzplatz möchte. Als ich neulich von Berlin nach Köln fuhr, stieg in Spandau eine alte Dame zu und bat mich sehr freundlich, ihr doch meinen Platz zu überlassen. In der U-Bahn wäre ich sofort aufgestanden, aber ich hatte noch vier Stunden Fahrt vor mir und keine Chance auf einen neuen Sitzplatz. Außerdem hatte ich für den Platz bezahlt. Die Dame hätte doch auch reservieren können, oder?« GUNNAR K., Berlin

Das Problem der Vorsorge kennt man aus La Fontaines Fabel von der Grille und der Ameise: Die Grille hatte den ganzen Sommer lang gezirpt, während die Ameise fleißig war. Als dann der Winter kam und die Grille die Ameise bat, ihr von deren Vorräten abzugeben, fragte die Ameise nur, was die Grille im Sommer getan habe. Diese antwortete: »Durch mein Singen die Leute ergötzt«, worauf die Ameise zynisch meint: »Durch dein Singen? Sehr erfreut! Weißt du was? Dann tanze jetzt!«. Was bedeutet das nun genau? Über die Moral dieser Fabel lässt sich streiten, eher zu einem Ergebnis kommt man, wenn man die Alternativen durchdenkt. Sie schreiben selbst, dass Sie in der U-Bahn aufgestanden wären, nicht jedoch, wenn vier Stunden Fahrt vor Ihnen liegen. Das gilt aber auch umgekehrt: Soll die Dame vier Stunden stehen? Wahrscheinlich würde sie es körperlich schlicht nicht durchstehen. Natürlich hätte auch sie sich um eine Reservierung kümmern können; nur hilft das nicht weiter, wenn sie kurz vor Hannover im Gang zusammenbricht, weil Sie die hartherzige Ameise gegeben haben. Rekurse auf Versäumnisse in der Vergangenheit sind im Strafrecht und in der Erziehung sinnvoll und nützlich, sonst für das Zusammenleben meist nicht sehr förderlich. Ich kann Ihren Unmut verstehen, nur sehe ich tatsächlich wenig andere Möglichkeiten. Wenn Sie dringend arbeiten müssen oder völlig erschöpft sind, verweisen Sie darauf und bitten Sie die Dame, jemand anderen zu fragen. Sonst aber müssen Sie wohl in den sauren Apfel beißen. Denn wenn jeder auf den Nächsten deutet, steht die Dame bis Köln. Ich würde allerdings den Schaffner ansprechen, ihm die Lage schildern und ihn fragen, ob es nicht noch einen Sitzplatz für Sie gebe. Es würde mich sehr wundern, wenn sich nicht spätestens ab dem nächsten Halt etwas für Sie fände.

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Sep 21 2010

neulich in der s-bahn I

Veröffentlicht von unter gschicht’n vom land.

ein junge macht sich einen spaß daraus, in der hauptverkehrszeit die s-bahn aufzuhalten, indem er in die lichtschranke der sich gerade schließenden türe springt. in puchheim wird es einem älteren herren zu viel. er haut dem jungen mit seiner zeitungsrolle auf den kopf und schubst in aus der sich gerade schließenden türe nach draußen. die fahrt wurde ohne weitere verzögerung fortgesetzt…

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Sep 21 2010

gschicht’n vom land II

Veröffentlicht von unter gschicht’n vom land.

fahr ich neulich in die stadt weil ich gerne meine mvv-karte mit ausbildungstarif beantragt hätte. komme ich beim marienplatz raus und frage mal so einen herren in einem mvg-häuschen wo ich denn die zeitkarte beantragen kann. sagt der “jo zwanzg meta hinta un dann auf da recht’n seit’n”. ich antworte, dass das doch der mvg-Schalter wäre und ich aber mvv brauche. er: “hoitns mi für bled oda wos, i oawat scho seit zwanzg joar hier, i werds scho wiss’n…”. ich gehe also zum mvg-kundencenter und stelle mich in die schon sehr lange schlange. als ich dran bin erklärt mir eine freundliche junge dame, das ich da zum Schalter am hauptbahnhof muss. weil da der mvv zuständig sei. ich fahre also leicht angenervt zum hauptbahnhof und betrete die schalterhalle. da stelle ich fest, dass fünfhundert andere studenten heute ebenfalls die idee hatten, sich ihre karten zu holen. da bin ich heimgefahren..

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